Seoul – Tradition trifft auf Moderne

Seoul mit seinen knapp 10.000.000 Einwohnern wird amtlich auch ‚Die besondere Stadt Seoul‘ genannt und ist seit 1945 die Hauptstadt Südkoreas. In Seoul und den angrenzenden Satellitenstädten leben unvorstellbare 25 Millionen Menschen und dennoch gibt es weltweit gesehen noch vier dichter besiedelte Metropolregionen.

Am Flughafen Gimpo, etwa 45 Minuten von der Innenstadt entfernt, begann und endete unser Abenteuer in Südkorea, da wir unsere Reise so geplant hatten, dass wir jeweils zu Beginn und am Ende einige Tage hier verbringen, um die Stadt wie sehr häufig möglichst viel zu Fuß zu erkunden.

Von Beijing aus landeten wir spät am Abend in Seoul und machten uns direkt auf den Weg in unser Hostel. Die Zimmerkarte für den Zugang zum Hostel mussten wir uns aufgrund unserer späten Ankunft im angrenzenden 7eleven abholen, sodass wir ohne einzuchecken direkt in unsere Betten fallen konnten.

Unsere Stadterkundung starteten wir in der Umgebung des Hauptbahnhofs, um endlich wieder ein Ladegerät für unsere leere Kamera zu kaufen. Danach standen die faszinierenden und großen Palastanlagen im Zentrum der Stadt auf dem Plan. Außerdem besuchten wir Märkte und Marktstraßen, wanderten über die alte Festungsmauer Seouls und erkundeten viele weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Gyeongbokgung

Der Palast der strahlenden Glückseligkeit ist der erste und zugleich größte Palast von  Seoul. Er wurde 1395 in der Joseon Dynastie von König Tajo errichtet. Die drei schönsten Gebäude im und um den Palast, sind das Gwanghwa Tor, die Thronhalle (Geunjeongjeon) und das kleine Gebäude Gyeonghoeru. Das Südtor auch Gwanghwa Tor genannt, stellt den Eingang zum Palast dar, hier findet auch heute noch der traditionelle Wachwechsel statt. Die Thronhalle ist das dominanteste Gebäude des Palastes, sie beherbergt im Inneren den Thron des damals herrschenden Königs.

Der See mit der künstlich angelegten Insel auf der das Gebäude Gyeonghoeru errichtet ist, liegt im Westen der Anlage. Aufgrund der Größe der Palastanlage, die außerdem noch das ‚National Folk Museum enthält, sollte ausreichend Zeit eingeplant werden.

Changdeokgung und geheimer Garten

Der Palast der blühenden Tugend ist der zweitgrößte und besterhaltene Palast in Seoul, er ist auch als einzigster UNESCO-Weltkulturerbe. Der 1412 fertiggestellte Palast hat keine so strenge Nord-Südausrichtung wie der Gyeongbokgung, somit wirkt das Areal etwas harmonischer und weicher. Die Architektur der Gebäude sowie ihr Nutzen, sind ähnlich der, der anderen Anlagen.

Ein Highlight und eine Besonderheit der Palastanlage ist der Geheime Garten. Der konfuzianische Garten mit seinen unzähligen Teichen, Brücken, Felsen und der harmonische Bepflanzung erstreckt sich auf ca. 32 Hektar und nimmt damit 60% der gesamten Anlage ein.

Deoksugung

Der Palast der Tugend und des langen Lebens war ursprünglich kein Palast, sondern die Villa des Prinzen. Deshalb überlebte er auch den siebenjährigen Krieg, erst im Anschluss daran wurde er zum Königspalast ernannt. Auch dieses eher kleine Areal besitzt die typischen Elemente eines Palastes, ein imposantes Haupttor, eine Thronhalle und einen Wohnbereich, besonders ist allerdings, dass es die einzige Palastanlage ist, die westlich inspirierte Gebäude enthält, unter anderem das National Museum of Art.

Beim Besuch der Palastanlagen erkennt man schnell die großen Gemeinsamkeiten aller Anlagen und muss, wenn man mit der Kultur nicht vertraut ist, genau hinschauen, um die Besonderheiten zu erkennen und zu erfassen. Nicht nur aufgrund der Gebäude fühlt man sich zurückversetzt in eine lang vergangene Zeit, muss dann aber auch erkennen, dass viele Gebäude erst nach 1990 wieder rekonstruiert wurden und somit deutlich älter scheinen, als sie tatsächlich sind.

Bukchon Hanok Village

Das Bukchon Hanok Village ist das Stadtgebiet in Seoul mit den meisten traditionellen koreanischen Wohnhäusern, den sogenannten Hanok-Häusern. Die meisten der Gebäude sind in den Dreißigern entstanden und bestehen aus den fünf Elementen Holz, Ton, Papier, Stein und Metall. Die Philosophie die hinter der Architektur steckt, versucht einen gemeinsamen Lebensraum von Mensch und Natur zu schaffen.

Insadong-gil

Auf der Insandong-gil, eine berühmte Einkaufsstraße, gibt es allerhand Antiquitäten, traditionelle koreanische Kleidung und Souvenirs. Im Reiseführer wird man vor Touristenmassen in der Straße gewarnt, allerdings können wir diese Warnung nicht wirklich bestätigen. Neben typischen Souvenirs für Touristen könnten wir hier auch einige ausgefallene Schmuckstücke und Pflanzen für unsere Lieben daheim finden.

Cheonggyecheon

Noch zur Jahrtausendwende glich das Gebiet um den Cheonggye Fluss einer Kloake, bevor im Jahr 2005 das Stadtentwicklungsprojekt Cheonggyecheon eröffnet wurde. Es  ist ein moderner öffentlicher Erholungsraum in der Innenstadt von Seoul. Hier werden täglich ca. 98.000 Liter Wasser aus dem Han-Fluss in den Lauf des kleinen Flüsschen gepumpt. Es fließt von Westen nach Osten durch die Innenstadt hin zum Jungnangcheon, dieser verbindet sich anschließend wieder mit dem Han-Fluss.

Cheonggye-Platz

Der Platz ist der Uhrsprung des Cheonggyecheon Flüsschens, hier steht eine Skulptur deren Design eine Anlehnung an das traditionelle koreanischen Bojagi (ein buntes Einschlagtuch) ist. Unweit davon sprudelt das Wasser aus dem Han-Fluss in ein Wasserbecken und fällt über einen kleinen Wasserfall in Flussbett. 

Brücken

Das Flüsschen überspannen 22 Brücken, wobei die Gwangtonggyo die schönste und bekannteste aller Brücken ist. Sie wurde 1410 errichtet und galt damals als größte Brücke der Stadt. Im Zuge der Restaurierung wurde sie ca. 150 Meter von ihrem ursprünglichen Standort entfernt wieder aufgestellt.

Banchado Kachelbild

Hinter einer der Brücken beginnt auf der linken Seite ein ca. 186 Meter langes Bild aus Kacheln. Diese Kachelmalerei gilt als längste der Welt und zeigt die bildliche Darstellung großer Prozessionen.

Gwangjang Market

Auf Höhe der zehnten Brücke befindet sich auf der Nordseite des Flüsschens eine der größten Essensmeilen von Seoul. Der Gwangjang Market bietet das echte Asien auf dem Teller.

SEOULLO 7017 SKYGARDEN

Mitten im Herzen von Seoul wurde auf einer ehemaligen Autobahn ein wahres ca. 990 Meter langes Pflanzendorf errichtet. Hier gibt es eine große Vielfalt an koreanischen Pflanzenarten, darunter Bäume, Sträucher und Blumen, der gesamte Park umfasst ca. 24.000 Pflanzen, von denen viele im nächsten Jahrzehnt auf ihre endgültige Höhe wachsen werden.

Namdaemun-Markt

Der Namdaemun – Markt ist ein traditioneller Südkoreansicher Markt  der unweit vom Namdaemun dem „Großen Südtor“ gelegen ist. Auf dem ältesten und größten Markt in Korea, werden in unzähligen kleinen Geschäften Waren aller Art angeboten. Gerade das Angebot von koreanischem Fastfood steht in der Mittagszeit bei den Locals, sowie den Touristen hoch im Kurs.

Namsan Park + N Seoul Tower

Der Namsan ist ein ca. 265 Meter hoher Berg im Herzen von Seoul. Dieser wird von einem dicht bewaldeten Park umsäumt, welcher die grüne Lunge der Stadt darstellt. Auf dem Gipfel des Berges befindet sich der N Seoul Tower, der umgangssprachlich auch  Eiffelturm von Seoul genannt wird. Dies ist scheinbar auch Inspiration für verliebte Paare, die in großer Anzahl ihre gravierten Liebesschlösser am Geländer anbringen.

War Memorial Museum

Die Ausstellung im War Memorial Museum befasst sich unter anderem mit dem wohl schwärzesten Teil der Geschichte des Landes, dem Korea Krieg. Es werden unzählige Kriegsgeräte, wie z.B. Bomber, Raketenwerfer und Haubitzen ausgestellt. Als Besucher erhält eine guten Einblick in die Dimensionen dieses schrecklichen Ereignisses und spätestens hier wird einem wieder die unmittelbare Nähe des nördlichen Nachbarn – ca. 50km Luftlinie – bewusst. In der War Memorial Hall ist eine endlos scheinende Liste mit  den Namen aller Kriegsopfer in eine Steinwand gemeisselt.

Der Bau selbst ist ein gigantischer Gebäudekomplex, der auf dem ehemaligen Hauptquartier der Südkoreanischen Armee errichtet wurde und der Eintritt ist für alle Besucher kostenlos – auch das hat natürlich Signalwirkung.

Olympic Park

Im Jahr 1988 war Seoul der Ausrichter der Olympischen Sommerspiele, weshalb mitten in der Stadt ein riesiger Olympic Park nahe dem Han River angelegt wurde. Er beheimatet noch heute unter anderem die Schwimmhalle, das Velodrom, Tennisplätze, sowie einige Sporthallen, wie z.B. eine Handball- und eine Turnhalle. Weiterhin befinden sich auf dem Gelände einige Museen, der Olympic Sculpture Park, sowie ein großer See mit Bühne. Im Südwesten des Parks steht das Friedenstor, welches den Hauptzugang zum Gelände darstellt. Auf dem umliegenden Platz stehen Fahnenmasten, an denen die Fahnen aller 159 teilnehmenden Nationen wehen, unter anderem auch einige Flaggen von Ländern (u.a. Deutsche Demokratische Republik, Jugoslawien, Sowjetunion), die so heute nicht mehr existieren.

Die damalige, nicht unumstrittene Austragung der Spiele in Südkorea bewirkten eine Öffnung des Landes und unterstützen den politischen Umbruch des Landes.

Fazit

Seoul und auch ganz Südkorea haben sich uns während unserer Reise immer wieder als Stadt und Land der Gegensätze präsentiert. Man wandelt zwischen alten Palästen und Wolkenkratzern hin und her, als würde man einen Schritt über eine imaginäre Schwelle tun. Jedes Mal, wenn wir das Gefühl hatten, dass Südkorea für uns etwas greifbarer wurde, mussten wir erkennen, dass es anders, komplexer oder doch nicht so ist, wie gedacht. So suchten wir immer wieder das Vertraute im Fremden und erkannten, dass im Vertrauten auch immer wieder das Fremde enthalten ist. Spannend, anstrengend, horizonterweiternd – REISEN. ES LÄSST DICH SPRACHLOS, DANN VERWANDELT ES DICH IN EINEN GESCHICHTENERZÄHLER. (Ibn Battuta)

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