Israel – eine Reise ins heilige Land (2) – Jerusalem und Totes Meer

Unser Abstecher nach Nazareth hat uns schon einen ersten Eindruck vom Geist der Religionen in Israel vermittelt, doch wir wollten noch mehr sehen und insbesondere Jerusalems Altstadt erkunden.

Jerusalem

Doch bevor wir in unserem Hostel eincheckten, besuchten wir die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auf der Westseite des Herzl-Bergs. Ein bedrückender Ort, von dem aus der Blick über ein grünes Tal hinweg bis nach Jerusalem reicht. Yad Vashem besteht aus der Halle der Erinnerung mit dem Ewigen Licht, aus dem neuen historischen Museum, aus einer Kunstsammlung mit Bilder aus der Zeit während und nach dem Holocaust sowie einer Kinder-Gedenkstätte.

Bedrückt und still traten wir dann den Weg in Richtung Hostel an und versuchten, den richtigen Parkplatz zu finden. Da solche Aktionen natürlich nie auf Anhieb gelingen, gehörten einige Runden in den vielen Einbahnstraßen der Stadt dazu. Unser Manöver führte uns dabei zunächst unbewusst durch das Viertel der ultraorthodoxen Juden – Mea She’arim, das wir jedoch nicht weiter erkundeten. Am Shabbat sind die Zufahrtsstraßen für den Verkehr gesperrt. Außerdem gibt es im Viertel keine Cafés, kein Kino – am Shabbat werden alle elektronischen Geräte ausgeschaltet und jeder Fremde wird spätestens jetzt als Eindringling betrachtet.

Nachdem wir den Parkplatz, der heillos überfüllt war, doch noch finden konnten und Auto mit Schlüssel abgegeben hatten, ging es für uns über die Jaffa Street in Richtung Altstadt. Über das Jaffator betraten wir die Altstadt Jerusalems und fanden uns schnell in den kleinen verwinkelten und gut besuchten Gassen wieder. Tee, Gewürze, ‚Nippes‘ für die Touristen und vor allem im Inneren der Altstadt, rund um die Via Dolorosa werden Devotionalien verkauft.

Wie viele andere Touristen auch folgten wir in der Altstadt den Kreuzwegstationen und gelangten so zur Grabeskirche, in der man ungewohnt buntes Treiben beobachten kann. Verwirrend ist insbesondere die Tatsache, dass man streng genommen nicht eine Kirche besucht, sondern über 30 Kirchen, die auf zwei Ebenen verteilt sind. In der Kirche selbst trifft man nach dem Betreten durch das Portal auf den Salbungsstein auf dem heute Pilger aus aller Welt ihre Bibeln, Rosenkränze und Souvenirs weihen. Über eine enge und ausgetretene Treppe gelangt man nach oben in die Golgotakapelle, wo sich der Kreuzweg fortsetzt. Zurück im Eingangsbereich führt der Weg weiter zur großen Grabrotunde, in der sich das Grab Jesu befindet.

Im Anschluss daran änderten sich wieder einmal unsere Pläne. Wir näherten uns dem Tempelbezirk und wollten die Klagemauer live sehen.

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Vor Ort stellten wir dann fest, dass es zu bestimmten und stark eingeschränkten Zeiten doch möglich ist, den streng kontrollierten und bewachten Tempelbezirk zu besuchen – allerdings nicht mehr heute. So entschieden wir uns, nicht wie geplant, am nächsten Morgen wieder weiterzufahren, sondern uns früh am Morgen in die Schlange der Wartenden einzureihen, um den Felsendom aus der Nähe zu bewundern.

Abends im Hostel erfuhren wir, dass es mit dem öffentlichen Nahverkehr unproblematisch ist, nach Palästina einzureisen und insbesondere Bethlehem innerhalb kürzester Zeit zu erreichen ist.

Planänderung: Bethlehem

Somit ging es direkt vom Tempelberg aus zum Busbahnhof in Jerusalem, um mit dem nächsten Bus nach Bethlehem (ca. 9km) zu fahren. Die knapp 1-stündige Fahrt führte über die Autobahn, die im Grenzbereich zu Palästina von einer in Teilbereichen 9m hohen Mauer mit Überhang gesäumt ist.

An der Endstation angekommen, wähnten wir uns zunächst im Zentrum, doch mussten erfahren, dass wir noch einige Kilometer von dort entfernt waren, sodass wir entschieden, die nächsten Stunden mit einem palästinensischen Taxifahrer zu verbringen, der uns zumindest einen oberflächlichen Eindruck vermitteln sollte.

Unsere Rundfahrt begann dann in den äußeren Bereichen des Aida Flüchtlingslagers, das seit 1948 besteht. Der ‚Key of Return‘ über dem Eingang steht als Symbol für das verlorenen Zuhause der Bewohner.

Danach fanden wir uns in unmittelbarer Nähe der Mauer mit unzähligen Wachtürmen wieder und lernten die Graffiti-Kunst von Banksy und das Mauerhotel kennen.

Zum Abschluss ging es nach der Verkündigungskirche in Nazareth und der Grabeskirche in Jerusalem noch in die Geburtskirche Jesu, um Reihe der Etappen zu vervollständigen.

Danach ging es dann mit unserem Taxifahrer zurück zur Bushaltestelle und von dort über die Grenze zurück nach Jerusalem zu unserem Auto.

Ein Gedi und Totes Meer

Somit bot auch dieser Tag wieder zwei Highlights, die in irgendeiner Form unbeschreiblich und eine einzigartige Erfahrung sind. Aufgewühlt und mit vielen neuen Eindrücken setzten wir uns dann in unseren Mietwagen und fuhren über die Fernverkehrsstraße Nr. 1 in Richtung Totes Meer. Diese fällt von Jerusalem aus steil ab und führt durch eine faszinierende felsige Landschaft.

Der erste Blick über das Meer ist beeindruckend und die gesamte Umgebung wirkt surreal.

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Wir fuhren dann weiter zu unserer heutigen Unterkunft, auf die sich insbesondere Nicole schon die ganze Zeit freute. Planenzelte, die aussehen wie große Pavillons und lediglich mit dünnen Matratzen ausgestattet sind. Genau nach unserem Geschmack, vor allem der Blick bei Sonnenaufgang über das Tote Meer ist einfach nur zum genießen.

Den Spätnachmittag nutzten wir dann, um zu einer Badestelle zu fahren und uns von dem fast 30prozentigen Salzgehalt im Toten Meer tragen zu lassen.  ‚Floaten‘ – ein unbeschreibliches Gefühl. Man kommt sich ein wenig wie ein Korken im Wasser vor, der zu gut einem Drittel aus dem Wasser schaut und dadurch Probleme hat, das Gleichgewicht zu halten – Ziel: Gesicht möglichst immer oben halten.

Soviel Freude das Baden auch macht, vergessen darf man in diesem Zusammenhang jedoch nicht die immensen Probleme, die dieser Region zu schaffen machen. Immer weniger Wasser kommt aus dem Jordan im Toten Meer an, sodass der Pegel in den vergangenen Jahren bereits erheblich gesunken ist und noch deutlich weiter sinken wird. Dadurch entstehen in Ufernähe immer mehr Sinklöcher, die bis zu 25 Meter tiefe Krater besitzen, wodurch bereits Umgehungsstraßen gebaut und viele öffentliche Badeplätze gesperrt werden mussten.

Ein letztes Highlight unserer Reise bildete ein imposantes Symbol der Freiheit, etwas südlich von unserer Unterkunft in Ein Gedi – die Festung Massada. Sie liegt in einer trostlosen und kargen Steinlandschaft auf einem 440m hohen Felsplateau und wurde erst zwischen 1963-65 ausgegraben.

Zugang zur Festung hat man entweder durch die Fahrt mit der Seilbahn oder über den Snake Path, den wir nutzten. Von oben hat man einen gigantischen Blick über das Tote Meer und hinüber nach Jordanien.

Nach einem erneuten Bad im Toten Meer und einer ausgiebigen Dusche fuhren wir am Abend über Jerusalem zurück nach Tel Aviv zum Flughafen, um früh am nächsten Morgen die Heimreise anzutreten.

Im Rückblick sind wir beide froh, dieses Land in Angriff genommen zu haben. Die Vielseitigkeit, die Israel bietet ist beeindruckend und auf jeden Fall eine Reise wert. Lediglich in Jerusalem ist die Allgegenwärtigkeit des Militärs tatsächlich präsent und mit Sicherheit auch notwendig. Ansonsten sind wir auf viele nette, offene und interessierte Menschen gestoßen, die gerne von ihrem Leben erzählt haben, häufig einige Jahre in Deutschland gelebt haben und teilweise Informationen zum Leben in Europa wollten.

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