Banff Nationalpark

Nach zwei Großstädten ging es nun endlich mit dem Greyhound in die wilden Weiten Kanadas. Vor uns lag eine Woche in zwei beeindruckenden Nationalparks, die wir mit Mietwagen, Zelt und natürlich wieder zu Fuß erkunden und erobern wollten.

Unsere erste Nacht verbrachten wir allerdings noch wohlgehütet im Samesun Hostel in Banff, von wo aus wir unsere erste Erkundungsrunde starteten. Banff ist klein, beschaulich und zur Zeit voller Touristen. Dennoch beeindrucken bereits die Sehenswürdigkeiten oder besser gesagt Naturschönheiten dieses kleinen Ortes, der eigentlich nur die Funktion eines Versorgungszentrums für den Nationalpark hat.

Ganz klassisch starteten wir unsere Erkundungstour auf der Banff Avenue und machten uns von dort aus auf zu den Bow River Falls. Bereits auf dem Weg dorthin konnten wir einen Blick auf das berühmte Fairmont Banff Springs werfen, das nur eines von weiteren Luxushotels ist, denen wir in den Nationalparks und auf unserer weiteren Reise begegnen. Der Bow River, der die Fälle speist, sollte uns auch noch in den nächsten Tagen immer wieder begegnen.

In der Tourist Information mussten wir dann leider feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, im Banff Nationalpark zu zelten, wie wir gedacht haben. Da wir weder mit Wohnmobil noch Wohnwagen umherreisten, gingen wir von der allgemein bekannten Regelung ‚first come – first serve‘ aus, die jedoch hier nur bedingt gilt. Auch für unser kleines Zelt mussten wir umständlich über eine Reservierungshomepage unseren Stellplatz mit Glück ergattern.
Kanada feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum und schenkt allen Besuchern der Nationalparks den sonst üblichen Eintritt von ca. 9 $ pro Tag und Person. Dieses Geschenk nutzen natürlich nicht nur Touristen aus der ganzen Welt, sondern insbesondere auch einheimische Touristen. Kanadische Schülerinnen und Schüler haben den gesamten Juli und August Sommerferien, wodurch auch viele Familien unterwegs sind.

Nach unzähligen Anmelde- und Einlogversuchen bzw. der Erkenntnis, dass kein Zeltplatz verfügbar ist, konnten wir wundersamer Weise doch noch einen Platz für die kommende Nacht im Tunnel Mountain Village buchen. Die Zeltplätze hier sind gefühlt riesig und im Prinzip für 6 Personen ausgelegt. Unser kleines Zelt und der kleine Mietwagen wirken auf den Plätzen daher meist unterdimensioniert. Da die meisten Plätze mitten im Wald liegen, sucht man natürlich vergeblich nach grüner, weicher Wiese als Untergrund, sondern muss sich meist mit Erdboden und teilweise auch noch Schotter abfinden – sehr angenehm, wenn man auf allen Vieren ins Zelt krabbelt. Positiv ist allerdings, dass jeder einzelne Stellplatz mit zwei Bänken, einem Tisch und einer Feuerstelle – die, wenn man sie nutzen darf, das Zelten zu einer gemütlichen Angelegenheit macht – ausgestattet ist.
Außerdem statteten wir uns direkt vor der Tourist-Info mit dem obligatorischen Bear-Spray aus, das wir, um Geld zu sparen (Neupreis knapp 30€), abreisenden Touristen abkauften.

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Wir befanden uns also von nun an auf ‚Bärenjagd‘ und der Wunsch einen Bären zu sehen, sollte uns bis zu unserer Abreise aus Jasper begleiten.

Daher war es auch klar, dass wir uns am nächsten Morgen mit vier weiteren deutschen Touristen zu einer Wanderung am Lake Minnewanka hin zum Alymer Lookout aufmachten. Das Besondere der Wanderung ist, dass man sich in der ‚Bärenzone‘ bewegt und die Wanderung ab einem bestimmten Punkt nur als Gruppe (mind. 4 Personen) und ausgestattet mit Bear-Spray antreten soll. Hin- und Hergerissen zwischen dem Wunsch, einem Bären zu begegnen und der Angst plötzlich überrascht zu werden, bewegten wir uns auf dem Weg fort und unsere Blicke wanderten immer wieder zwischen der felsigen Landschaft, den Bäumen und dem wahnsinnig tollen See- und Bergpanorama hin und her. Sollten wir uns nun weiter unterhalten, um den Bären zu warnen oder doch lieber einige Zeit schweigend wandern, um unsere Chancen zu erhöhen? – Letztendlich hat es mit unserer Bärensichtung leider nicht geklappt … wir fanden nur die relativ frische Hinterlassenschaft eines Bären auf unserem Wanderweg, der uns sicherlich aus sicherer Entfernung beobachtet hat. Den Rückweg legten wir dann möglichst zügig zurück, da das Wetter wechselte und dunkle Wolken am Himmel aufzogen. Leider schafften wir es nicht mehr trockenen Fußes, sodass wir nass, ausgekühlt und irgendwie auch enttäuscht wieder ins Auto stiegen.

Der nächste Tag versprach wieder besseres Wetter und so starteten wir über den Trans-Canada-Highway Richtung Lake Louise, das touristisch sehr überlaufen war. Der Blick und die Aussicht über den See, hin zu den Bergen entschädigte jedoch für diese Tatsache. Beim nachträglichen Blick auf unsere Bilder mussten wir dann aber ein wenig Schmunzeln, da die Einzigartigkeit der Landschaft und das Panorama die Bilder fast unwirklich wirken lässt und wir manchmal einer Fotomontage vor diesem Panorama ähneln. Wir können jedoch bestätigen, dass wir uns genau so inmitten dieser Schönheit befanden und es teilweise auch nicht glauben konnten, dass das tatsächlich war ist. Wir wanderten dann vom See aus ganz klassisch bergauf am Mirror Lake vorbei zum süßen Lake Agnes Tea House und von dort wieder zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem Weg zurück hätten wir gerne noch einen Abstecher zum Moraine Lake gemacht, die Zufahrt war aber schon seit unserer Ankunft aufgrund des großen Andrangs gesperrt, sodass wir beschlossen, dieses Ziel am nächsten Morgen noch einmal in Angriff zu nehmen.

Zum Abschluss des Tages erwanderten wir dann noch den sehenswerten Johnston Canyon, der in unmittelbarer Nähe zu unserem nächsten Campingplatz lag. Nachdem es im Tagesverlauf nach dem Regen gestern wieder deutlich wärmer geworden ist, beschlossen wir, diese Nacht auch wirklich zu zelten und nicht im Auto zu schlafen. Trotzdem war diese Nacht unsagbar kalt und auch Schlafsack, zwei Inletts (in und über meinem Schlafsack) und ein Fleecepulli schafften es nicht, mich bis zum Morgen warm zu halten.

Am nächsten Morgen wollten wir es dann schaffen, vor den Touristenmassen und der Straßensrperrung den Moraine Lake und das sagenhafte Panorama zu sehen. Dies ist uns zum Glück gelungen. Der Moraine Lake ist ein Gletschersee, der nur über eine enge und kurvenreiche Straße erreicht werden kann und liegt malerisch umgeben im Tal der 10 Gipfel – eine geniale Aussicht!

Damit endete weitestgehend unsere Zeit im Banff Nationalpark und bei der Fahrt zurück zum Trans-Canada-Highway stellten wir fest, dass die Zufahrt zum Moraine Lake auch heute wieder deutlich vor 9 Uhr schon wieder geschlossen war und wir mit Glück und frühem Aufstehen die Schönheit sehen konnten.

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