Wandern in Südtirol

Abwechslungsreiche Wanderungen in den Sarntaler Alpen und der Texelgruppe

Schon länger wollte ich einmal für einige Tage in die ‚Berge‘ fahren und jeden Tag wandern gehen. Mit zwei Kolleginnen und einem Partner hat sich dieser Wunsch in den Pfingstferien realisieren lassen und wir sind mit einem vollgepackten Auto gen Südtirol aufgebrochen. Trotz erheblicher Anreisestaus an Grenzen und Mautstationen konnten wir gemütlich und ohne Stress – trotz verzögerter Abfahrt – über den Arlberg- und Reschenpass diesem Chaos ausweichen und entspannt am Reschensee eine Pause einlegen.

 Über den Vinschgau ging es dann weiter bis nach Meran.

Mit dem Schildhof Happerg in St. Leonhard haben wir eine super Unterkunft gewählt, die von netten Hausleuten mit viel Einsatz geführt wird. Unsere Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern direkt unter dem Dach ist groß genug für uns vier und ist mit allem notwendigen ausgestattet. Vom Balkon aus hat man einen wunderbaren Blick auf die gegenüberliegenden Berge und die Passer im Tal und kann abends den Sonnenuntergang und das dazugehörige Lichtschauspiel betrachten.

Nachdem unsere Anreise ohne Zwischenfälle ablief, fühlten wir uns am späten Nachmittag noch fit genug für eine erste kleine Wanderung.

Wannser Alm und Seeberg Alm

Dauer: ca. 2:10h
Schwierigkeitsgrad: leicht bis moderat
Einkehrmöglichkeit: Wannser Alm

Im Kompass-Wanderführer wird die Tour als gemütliche Genusswanderung durch eine ursprüngliche Almlandschaft bezeichnet. Also genau passend nach einigen langen Stunden im Auto. Unweit der kleinen Kirche St. Johann in Wanns starten wir unsere Abendrunde und gehen zunächst auf breitem Weg bergauf in Richtung Wannseer Alm. Dort angekommen nimmt man den Weg, der unmittelbar unterhalb der Alm entlangführt und Richtung Wald verläuft. Dort beginnt der Jägersteig, der sich in Kehren und mit einigen Höhenmetern den Hang hinaufwindet, bis wir schließlich am ‚Kreuz am Jägersteig‘ ankommen.

Von dort geht es weiter über Waldwege und Wiese zum Seebergsee, der einen traumhaften Blick auf die umliegenden Berge bietet.

Nun geht es weiter über Schotterwege und Wiese bergab, man quert den Vorgarten der Seeberg Alm, die geschlossen war, um dann auf breitem, grob geschottertem Almweg weiter abzusteigen. Weiter unten führt eine kleine Brücke über den Sailer Bach, diese überquert man, um auf steinigem, schmalem Pfad wieder zum Ausgangsort zu gelangen.

Fazit

Eine angenehme kurze Wanderung, die wir an diesem Abend ganz für uns alleine hatten.

Passeirer Höhenweg

Dauer: ca. 5h
Schwierigkeitsgrad: mittel; für den trittsicheren Wanderer; teilweise steile Grashänge
Einkehrmöglichkeiten: Fleckner Hütte, Hochalm, Eggergrubalm

Bereits die Fahrt von Meran nach St. Leonhard lenkt unweigerlich den Blick zu einer Bergkette, die quer zum Tal liegt und parallel zur Passerschlucht. Da wir heute nur zu dritt wandern konnten, erleichterte dies unser Vorhaben, keine Rundtour zu gehen. Stattdessen wollten wir einen Teil des Passeirer Höhenweges gehen. Ausgehend von der Römerkehre der Jaufenpassstraße wanderten wir zunächst an der Fleckner Hütte vorbei in Richtung Glaitner Joch und schließlich zum Gipfel Glaitner Hochjoch. Dabei wurden wir zumindest einige Meter von einer Herde lustiger Ziegen begleitet, die, wenn wir sie nicht zurück auf ihre Weide geschickt hätten, wohl den Gipfel mit erklommen hätten.

Ausgehend vom Gipfel konnten wir nun zum ersten Mal den Blick auch in nördliche Richtung schweifen lasse, die allerdings bei weitem nicht so ansprechend und interessant ist, da sie karg und felsig ist. Nach dem ersten Teil des Abstiegs passierten wir den Übelsee, der schlechtes Wetter durch Geräusche ankündigen soll. Wir hörten nichts, stiegen aber dennoch direkt über steile Grashänge weiter ab. Im Nachhinein wissen wir, dass wir noch einmal eine kleine Rast hätten einlegen sollen, da sich der folgende Weg doch deutlich in die Länge zieht.

Mitten im Hang geht es von nun an mit kleinen An- und Abstiegen immer weiter auf dem Passeirer Höhenweg, der in regelmäßigen Abständen zwar von Bächen und kleinen Wasserfällen unterbrochen wird, aber keine wirkliche Abwechslung bietet.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und doch einigen Kilometern mehr als gedacht, erreichen wir erleichtert die Hochalm und genießen Kaffee und Kuchen mit unschlagbarem Panorama.

Die abschließenden Kilometer nach Stuls ziehen sich erneut noch einmal gefühlt in die Länge, aber dennoch sind wir glücklich, uns für diese Tour entschieden zu haben.

Fazit

Vor allem im ersten Teil bis zum Gipfelkreuz eine interessante und schöne Tour mit einzigartigem Panorama. Ab dem Übelsee zieht sich der restliche Weg bis Stuls jedoch und im Nachhinein hätte man sich überlegen können, ob man nicht bereits früher in Richtung Tal absteigt.

An Sonnentagen sollte man beachten, dass die gesamte Strecke in der Sonne verläuft und keinerlei Schatten vorhanden ist.

Passerschlucht

Dauer: knapp 3h
Schwierigkeitsgrad: leicht; einzelne Steigungen

Nachdem wir morgens in Meran waren und uns die Stadt genauer angeschaut haben, sollte es am Nachmittag noch in die Passerschlucht gehen – ein Highlight aus Wasser und Fels. Gestartet sind wir am Schwimmbad in St. Leonhard und von dort geht es zunächst gemütlich an der Passer entlang.

Auf Schotterwegen, Waldwegen und über Metallstege steigt man in der Schlucht auf und ab, sodass man einmal unmittelbar am Wasser läuft und dann wieder von hoch oben in die Schlucht hinabschaut.

Dabei wirkt das Wasser brodelnd und beruhigend zugleich und lädt ein zum Verweilen.

Fazit

Eine lohnenswerte Wanderung, die insbesondere an heißen Tagen Abkühlung verspricht. Wer die Schlucht nicht bergauf in Richtung Moos erwandern möchte, kann alternativ in Moos starten und weitestgehend bergab nach St. Leonhard laufen.

Hirzer – Sarntaler Alpen

Dauer: 4:30 – 5h
Schwierigkeitsgrad: schwierig; steil im Anstieg mit Geröllfeld; Kletterpassagen im Abstieg
Einkehrmöglichkeit: Hirzer Hütte und Tallner Alm Kaser jeweils auf dem ersten und letzten Kilometer

Beim Aufstieg auf den höchsten Gipfel der Sarntaler  Alpen geht man zunächst über Weiden auf dem Gebirgsjägersteig bergauf und passiert zwei bewirtschaftete Almen im Gebiet. Über steile Wiesen steigt man weiter bergauf, bis der Steig über Geröll und Felsstufen zur Oberen Scharte führt. Dabei bewegt man sich bereits die ganze Zeit auf dem Fernwanderweg E5. Von dort geht es zunächst links einige Meter hinab, bevor sich der Weg für ca. eine halbe Stunde weiter in Kehren in Richtung Gipfel windet.

Der Rundumblick vom Gipfel ist einfach nur genial.

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Für den Abstieg hieß es nun zunächst wieder die Kehren bis zur Oberen Scharte abzusteigen und dann geradeaus weiter in Richtung Hönigspitze weiter zu gehen. Zunächst bedeutete das, noch einmal einen Grashügel aufzusteigen, bevor es dann in felsigem Gelände, teilweise mit Kletterpassagen, abwärts ging.

Den Gipfel der Hönigspitze umrundet man unterhalb und steigt eine gefühlte Ewigkeit immer weiter, zum Teil über ausgesetzte Stellen, ab. Im Tal angekommen, passiert man noch einmal die beiden Almen vom Beginn der Tour und kann dann zurück zur Bergstation der Hirzer Bahn gehen.

 Fazit

Eine anstrengende Tour in Auf- und Abstieg, die dennoch Spaß macht und ein geniales Panorama bietet.

Meraner Höhenweg – Texelgruppe

Dauer: ca. 4h
Schwierigkeitsgrad: mittel; abwechslungsreicher Weg durch Wald und Fels
Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Giggelber, Nasereithütte, Tablander Alm, Hochgang-haus und Leiteralm

Am heutigen Morgen erfolgte die Anfahrt zur Texelbahn in Partschins mit dem öffentlichen Nahverkehr über Meran. Zwar mit etwas Zeitverlust, aber überaus freundlichen Busfahrern und ca. 15 Minuten Laufweg incl. erster Höhenmeter bis zur Talstation.

Oben angekommen geht es hinter dem Gasthaus Giggelberg auf der Wiese bergauf und dann in den Wald hinein. Kurz nach der Nasereithütte zieht der Himmel immer weiter zu und aus der Ferne hört man erstes Donnergrollen. Keine schöne Situation in den Bergen, aber entgegenkommende Wanderer bestätigen uns darin, zumindest bis zur nächsten Hütte weiterzugehen.

Durchnässt kommen wir in der Hütte an und wärmen uns daher erst einmal mit einem Cappuccino auf. Beim regelmäßigen Blick aus dem Fenster freuen wir uns über jede helle Wolke, die am Himmel erscheint und werden nach einiger tatsächlich trockenem Wetter belohnt. Da noch immer mehr als die Hälfte vor uns liegt, brechen wir auf und erfreuen uns auch weiterhin an der abwechslungsreichen Landschaft – Waldwege mit Wurzeln und Steinen, geschotterte Abschnitte, steingepflasterte Wege wie im Mittelalter und eine Wiese mit riesigen Steinen, die aussehen, als hätte sie irgendjemand vom Himmel aus einfach fallengelasssen …

Wir genießen nun endlich das Panorama des Weges, da die Wolken den Blick ins Tal wieder frei geben und gehen weiter bis zum Hochganghaus. Dort werden wir freundlich begrüßt und genießen einen genialen Apfelstrudel – hhhmmmmm…

Auch der weitere Abstieg hält noch einige schöne Überraschungen bereit. So überqueren wir eine Schlucht mittels einer Hängebrücke und landen wenig später in einem Waldabschnitt, der jegliche Außengeräusche ausblendet und nur Vogelgezwitscher zulässt. Steine und Bäume sind von weichem Moos bedeckt und man hat das Verlangen hier zu verweilen. Eine innere Vorahnung lässt uns jedoch weiterziehen und so landen wir nach der nächsten Kurve direkt im Gegenteil – toter Wald, kein Moos und das Verlangen, möglichst schnell weiterzugehen.

Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es zur letzten Attraktion der Tour – wir fahren zunächst mit dem Korblift und später mit dem Einersessel zurück ins Tal.

Fazit

Eine angenehm zu gehende und abwechslungsreiche Tour mit häufigem Blick in Richtung Meran und Bozen. Highlights der anderen Art finden sich im letzten Drittel der Tour.

Fazit

Südtirol, speziell die Gegend rund um Meran, bietet für Wanderfreunde eine unendliche Vielzahl an verschiedenen Touren, die für jeden etwas bieten. Somit kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich bestimmt nicht zum letzten Mal in der Gegend war und beim nächsten Besuch auch noch die unendliche Weite des Himmels oder das tosende Wasser hautnah erleben möchte. Eine Dankeschön auch an meine Mitreisenden für die schönen gemeinsamen Tage und Erlebnisse.

3 Gedanken zu „Wandern in Südtirol

  1. natürchen

    Sehr schöne Fotos! Wir sind gerade erst seit einer Woche wieder aus Südtirol zurück. Und ich würde so gerne wieder hin…

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  2. natürchen

    sehr schöne Fotos! Wir sind gerader erst seit einer Woche wieder aus Südtirol zurück…und ich möchte schon wieder hin!

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